Probearbeit nicht zum Nulltarif

Betriebe wollen Bewerber kennen lernen. Diese Testphase muss entlohnt werden.


von Tobias Werner

 

Manche Arbeitgeber wünschen sich zum gegenseitigen Kennenlernen von ihren künftigen Mitarbeitern einen oder mehrere Tage Probearbeit. Das akzeptiert so mancher Bewerber -auch unter Verzicht auf eine Entlohnung oder andere Arbeitnehmerrechte.

Doch auch für Probearbeitsverhältnisse gelten gewisse Spielregeln, die die Bewerber kennen sollten. Denn in manchen Betrieben wollen sich die Arbeitgeber durch den Einsatz von Probearbeitern das zeitlich begrenzte Einstellen von Zusatzkräften ersparen und nutzen Bewerber auf diese Weise aus. Das jedoch ist illegal.

Grundsätzlich führt die Vereinbarung eines Arbeitsverhältnisses zu einer Vergütungspflicht. Deshalb ist auch ein Probearbeitsverhältnis zu entlohnen. Den Gerichten ist es dabei sogar egal, ob sich die Arbeitnehmer auf eine unentgeltliche Tätigkeit eingelassen haben. Denn das Arbeitsrecht verbietet zum Schutz der Arbeitnehmer Vereinbarungen, die von ihnen eine Leistung ohne Gegenleistung des Arbeitgebers fordern.

Anders verhält es sich, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine unverbindliche Kennenlernphase -auch Einfühlungsverhältnis genannt - vereinbaren. Das ist keinesfalls eine reine Spitzfindigkeit, denn Kennenlernphase und Probearbeit unterscheiden sich in wesentlichen Punkten. So besteht bei einer Kennenlernphase keine Verpflichtung zur Arbeitsleistung, der Arbeitnehmer unterliegt nicht dem Direktionsrecht des Arbeitgebers und ist so zum Beispiel nicht an feste Arbeitszeiten gebunden. Für dieses Einfühlungsverhältnis darf er keine Vergütung beanspruchen.

Haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Probearbeit oder Kennenlernphase verständigt, sollten sie diese -so kurz die Zeit auch sein möge -schriftlich fixieren. Im Streitfall geht es oft nicht nur um die Frage der Vergütung. Der Arbeitnehmer unterliegt in einem Probearbeitsverhältnis auch grundsätzlich der Sozialversicherungspflicht und ist damit für alle Fälle geschützt. Die Unfallversicherung greift ebenso.

Besondere Vorsicht sollten Arbeitnehmer bei bestehender Arbeitslosigkeit walten lassen. Melden sie eine Probearbeit bei der Agentur für Arbeit nicht an, müssen sie unter Umständen erhaltene Leistungen zurückzahlen. Diese Falle droht insbesondere dann, wenn sie sich nach dem Probearbeitsverhältnis nicht wieder erneut arbeitslos melden.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung vom 14.11.2009