18.06.05 | Arbeitsplatz

Was bei Arbeitsunfällen zu beachten ist


Hoher Alkoholkonsum lässt Versicherungsschutz entfallen

Die Arbeitskraft ist das Kapital des Arbeitnehmers. Verliert er sie zeitweise oder langfristig durch einen Unfall oder eine berufsbedingte Krankheit, gefährdet das seine wirtschaftliche Existenz. Das kann sogar seinen sozialen Abstieg bedeuten.

Aus diesem Grunde gibt es für Unfälle bei der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg ebenso wie für berufsbedingte Krankheiten eine gesetzliche Unfallversicherung. Ihr Träger sind die Berufsgenossenschaften. Alle unselbstständig Beschäftigten und Azubis in Betrieben haben automatisch Versicherungsschutz. Die Beiträge trägt allein der Arbeitgeber.

Von einem Arbeitsunfall spricht man, wenn ein Versicherter in der gesetzlichen Unfallversicherung im Zusammenhang mit seiner versicherten Tätigkeit einen Unfall erleidet, der zu einem Gesundheitsschaden oder gar zum Tod führt. Im Zweifel entscheidet ein Gutachten. Alle potenziellen Berufskrankheiten stehen dagegen in einer Liste der Berufskrankheitenverordnung. Für ihre Anerkennung muss zusätzlich ein Zusammenhang zwischen der die schädigenden Wirkungen erzeugenden Tätigkeit und der Krankheit bestehen.

Auch für die Anerkennung eines Arbeitsunfalls muss es einen Zusammenhang zwischen der Tätigkeit und dem Unfall geben. Es ist unwichtig, ob der Arbeitnehmer unachtsam war. Unfälle beim Betriebssport und auf Betriebsversammlungen sind meist von der Versicherung umfasst, ebenso wie auf Betriebswegen, Dienst- und Geschäftsreisen und bei beruflicher Fortbildung. War Alkohol im Spiel ist entscheidend für die Anerkennung eines Berufsunfalls, ob ein Vollrausch oder nur alkoholbedingter Leistungsabfall vorlag. Nicht versichert sind Unfälle während des Essens in der Kantine oder Unglücksfälle, wie der Stich einer Wespe. Kurios ist, dass Raufereien auf dem Betriebsgelände als Arbeitsunfall gelten, wenn ihre Ursache im Zusammenhang zur betrieblichen Tätigkeit steht.

Wegeunfälle ereignen sich auf dem Weg von und zur Arbeit. Wichtig ist ihr zeitlicher und räumlicher Bezug. Nicht entscheidend ist die kürzeste Wegstrecke. Auch Unfälle an anderen Orten statt des Wohnortes sind versichert, wenn der Aufenthalt dort zwei Stunden währte und der Weg im angemessenen Verhältnis zum normalen Arbeitsweg stand. Familienheimfahrten sind meist versichert. Bei Alkohol am Steuer geht der Versicherungsschutz verloren, wenn die hervorgerufene Fahruntüchtigkeit die wesentliche Unfallursache war.

Meldefrist beachten

Der Arbeitgeber muss einen Unfall mit nachfolgender Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder gar tödlichem Ausgang spätestens nach drei Tagen bei der Berufsgenossenschaft anzeigen. Der Arbeitnehmer kann von ihr nach Anerkennung des Schadens sowohl Sach- als auch Geldleistungen erhalten. Zu den Sachleistungen zählen Heilbehandlung, berufsfördernde Leistungen zur Rehabilitation, Leistungen zur sozialen Rehabilitation wie Wohnungshilfen sowie Leistungen bei Pflegebedürftigkeit. Geldleistungen umfassen ein Verletzten- und Übergangsgeld sowie eine Verletztenrente. Im Todesfall werden Sterbegeld und Überführungskosten, Beihilfen und Hinterbliebenenrenten gewährt.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 18.06.2005.

Von: Ulf Weigelt