16.04.05 | Kündigung

Kündigungen auf Druck von Dritten


Betroffene Arbeitnehmer müssen nicht gehört werden

Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber ist nie angenehm. Fordern jedoch Dritte die Kündigung beim Arbeitgeber ein, wird es zuweilen noch unappetitlicher. 

Setzen Arbeitskollegen, Kunden oder auch Lieferanten durch massives Auflehnen die Kündigung eines Mitarbeiters durch, spricht man von einer Druckkündigung. Der Arbeitgeber gerät in eine betriebliche Zwangssituation, die ihn zur Kündigung des Betroffenen zwingt.

Eine echte Druckkündigung liegt vor, wenn diese ohne das Vorliegen eines klassischen Kündigungsgrundes erfolgt. Die Rechtsprechung lässt Druckkündigungen auch zu, jedoch als allerletzte Notmaßnahme des Arbeitgebers.

Ein Beispiel verdeutlicht dies: Ein Kollege ist bei Lieferanten des Unternehmens unbeliebt auf Grund seiner äußerst korrekten Auslegung von Verträgen. Diese von ihm verlangte korrekte Auslieferung weicht von der seines Vorgängers ab. Sie wurde aber vom Chef angeordnet. Die Lieferanten steigen nun auf die Barrikaden und verbünden sich. Sie drohen mit der gemeinschaftlichen Aufkündigung der Vertragsbeziehungen, falls der Mitarbeiter nicht "verschwindet".

Der Arbeitgeber muss zunächst seiner arbeitsvertraglichen Fürsorgepflicht gegenüber dem Arbeitnehmer entsprechen, denn an sich hat dieser nichts falsch gemacht. Er muss sich um Ausgleich bemühen. Gelingt jedoch keine Lösung etwa durch Versetzung des Mitarbeiters an einen anderen Platz, bleibt dem Arbeitgeber nur das letzte Mittel der betriebsbedingten Druckkündigung. Der Arbeitnehmer ist übrigens verpflichtet, sich an Lösungsversuchen zu beteiligen. Im Fall einer betriebsbedingten Druckkündigung kann sich der Arbeitnehmer auch nicht auf eine Sozialauswahl berufen.

Neben der echten Druckkündigung kann es auch manchmal eine objektive Rechtfertigung für Druckkündigungen bei genauer Betrachtung geben. So bilden Eignungsmängel oder verhaltensbedingte Gründe des Arbeitnehmers nicht selten die Grundlage für den Arbeitgeber, eine Druckkündigung auszusprechen. Etwa wenn ein Kollege mit Leitungsbefugnissen sich zwar keinen echten Verstoß zuschulde kommen lassen hat, er aber im Team extrem unbeliebt ist. Zum Beispiel weil er durch Anweisungen Mitarbeiter regelmäßig subtil demütigt und gerade noch im Rahmen der Legalität benachteiligt. Kommt es nun zum Aufstand der Mitarbeiter etwa durch Streikdrohungen, muss der Chef zur Vermeidung wirtschaftlichen Schadens für das Unternehmen handeln. Rechtfertigung findet er in einer Druckkündigung, die sich auf die mangelnde Eignung oder das Verhalten des Betroffenen berufen kann.

Kaum Chance auf Ausgleich

Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, betroffene Arbeitnehmer vor dem Aussprechen einer Druckkündigung anzuhören. Schließlich geht es um Situationen, in denen nach Eskalation selten noch Chancen auf Ausgleich durch direkte Gespräche zwischen dem Arbeitnehmer und seinem "feindlichen Gegenüber" bestehen.

Selbstverständlich ist auch, dass ein Arbeitgeber keine Druckkündigung erwirken kann, wenn er die ihr zugrunde liegende Situation selbst herbeigeführt hat.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 16.04.2005.

Von: Ulf Weigelt