17.06.06 | Probezeit

Prüfungsphase Probezeit


Probezeiten sind nicht gesetzlich fixiert

Getreu dem Motto "Drum prüfe, wer sich ewig bindet" können Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich in der Probezeit über mehrere Monate hinweg gegenseitig kennen zu lernen. Der Arbeitgeber prüft besonders die fachliche Eignung des neuen Mitarbeiters und seine Fähigkeit zur Anpassung an die Arbeitsatmosphäre im Unternehmen. Auch der Mitarbeiter lernt die konkrete Tätigkeit sowie seine Vorgesetzen und Mitarbeiter erst so richtig nach Monaten kennen. 

Die Probezeit unterscheidet sich vom inzwischen verbreiteten "befristeten Probearbeitsverhältnis" in kurzen Zeitverträgen für zum Beispiel einen Monat oder vom genannten "Einfühlungsverhältnis", bei dem Arbeitnehmer quasi bei der Arbeit "zuschaut". Gerade beim "Probearbeiten" ist es jedoch für den Arbeitnehmer legitim, bei der Umwandlung in ein längeres Arbeitsverhältnis die Anrechnung der Probearbeitszeit einzufordern. 

Viele arbeitsvertragliche Regelungen unterscheiden sich in dem Zeitraum vor und nach der Probezeit - so oft in Punkten wie Urlaub oder Gehalt, vor allem bei der Kündigungsfrist. In Unternehmen, die wegen der Anzahl von mindestens mehr als zehn fest angestellten Mitarbeiten dem Kündigungsschutzgesetz unterliegen, greift nach der Probezeit von sechs Monaten das Kündigungsschutzgesetz. Es gewährt unabhängig von der vereinbarten Probezeit nach dieser Zeit den vollen Kündigungsschutz. Deshalb nennen die meisten Arbeitsverträge in Unternehmen im Wirkungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes auch Probezeiten von maximal sechs Monaten. 

Mit Ausnahme der Beschäftigungsverhältnisse in der Berufsausbildung gibt es für Probezeiten jedoch keine gesetzlichen Vorgaben. Es gilt jedoch die Faustformel "Je größer die Komplexität und Schwierigkeit der Arbeit, desto länger in der Regel die Probezeit". Allgemein haben sich in Tarifverträgen ein bis drei Monate eingebürgert. In frei verhandelten Verträgen finden sich oft sechs Monate. In einigen Bereichen wie Wissenschaft oder Kultur sind sogar bis zu zwölf Monate keine Seltenheit. Wichtig: Generell überschreiben eventuelle tarifvertragliche Regelungen solche aus Einzelverträgen. 

Während der Probezeit kann genau wie danach der Arbeiteber eine ordentliche oder außerordentliche Kündigung aussprechen. Die außerordentliche Kündigung ist wegen der kurzen Kündigungsfristen innerhalb der Probezeit jedoch selten -zum Beispiel bei extremen Pflicht-Verstößen. Bei einer Probezeit von bis zu sechs Monaten kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit einer ordentlichen Kündigung nach zwei Wochen lösen. Kürzere Fristen gestatten nur Tarifverträge. Bei Probezeiten von mehr als sechs Monaten gilt ein Zeitraum von vier Wochen. Wurde die Probezeit als Mindestvertragszeit vereinbart, ist eine ordentliche Kündigung jedoch ausgeschlossen. 

Für den Beginn der Probezeit ist alleinig der erste Arbeitstag maßgeblich, nicht der Termin des Vorstellungsgespräches oder der Tag der Vertragsunterzeichnung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können sich auch während der Probezeit einvernehmlich auf deren Verlängerung verständigen, jedoch nur einmalig. Fehlzeiten während der Probezeit führen nicht automatisch zu deren Verlängerung. Lediglich längere Fehlzeiten zum Beispiel auf Grund langer Erkrankungen geben dafür Anlass. 

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 17.06.2006.

Von: Ulf Weigelt