24.02.07 | Arbeitsvertrag

Saisonarbeiter dürfen nicht jeden Job erledigen


Arbeitgeber müssen bei befristet eingestellten Aushilfskräften einige Regeln beachten

Befristete Arbeitsverhältnisse sind zwar ein von den Arbeitnehmervertretern bekämpftes, von Arbeitgebern jedoch gerne genutztes Mittel, arbeitsvertragliche Bindungen flexibel zu halten. Die Grundregel der begrenzten Mehrfachbefristung ohne Sachgrund ist vielen bekannt. Dreimal innerhalb von zwei Jahren hintereinander ist sie erlaubt. Ab der vierten Frist hat ein Arbeitnehmer jedoch einen Anspruch auf ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Einen Sonderfall der Befristung stellen Saisonarbeitsverhältnisse dar. Ob bei der Spargelernte, im Biergarten, auf dem Weihnachtmarkt oder beim Feuerwerksverkauf - ohne Saisonarbeiter kommt so manche Branche nicht aus. Saisonjobs werden entweder befristet, weil ein bestimmter Zweck besteht oder weil in einem speziellen Zeitraum mehr Arbeit als sonst anfällt. Unter die zweckbefristeten Saisonjobs fallen auch unmittelbar von Saisontätigkeiten abhängige Arbeiten: zum Beispiel im Lager, in der Verpackung, der Auslieferung sowie Reinigungsarbeiten in Produktionsräumen, die während der Saison genutzt werden.

Sind jedoch die einem Saison-Mitarbeiter übertragenen Arbeiten nicht allein durch den verstärkten Arbeitsanfall während der Saison bedingt, ist eine Befristung nur eingeschränkt gerechtfertigt. Ein Mitarbeiter muss explizit zur Aushilfe eingestellt worden sein und darf dabei keine Arbeiten verrichten, die außerhalb der Saison von Stamm-Mitarbeitern übernommen werden. Neben dieser Abgrenzung bereitet oft auch der Begriff des Saison-Endes Probleme. Denn selten existieren klare Regeln wie beim gesetzlich geregelten Verkaufszeitraum für Feuerwerkskörper.

Zusätzlich zur klassischen Saisonarbeit gibt es eine weitere Gruppe von Jobs, die nur wegen ihres zeitlich begrenzten betrieblichen Bedarfs und klar umrissener Arbeitsaufgaben unter den Saisonarbeitsbegriff fällt. Die Gruppe der Saisonkräfte in Betrieben. Ein vorübergehend erhöhter betrieblicher Bedarf ergibt sich nach dem Gesetz jedoch nur dann, wenn ein Arbeitgeber künftige Entwicklungen klar prognostizieren kann. Ist der Bedarf an Arbeitnehmern aus seiner Sicht nicht voraussehbar oder treiben ihn allgemeine Sorgen um die konjunkturelle und wirtschaftliche Entwicklung um, rechtfertigt dies noch keine Befristung.

Unterbrechung nötig

Zeitlich begrenzte Jobs können, wie auch bei Jobs in Saison- und Kampagne-Betrieben, immer wieder auftreten. Bei Vertragsabschluss muss dabei feststehen, dass ein erneuter Arbeitsbedarf erst nach einer Unterbrechung von vielen Wochen wieder eintreten wird. Ein gutes Beispiel sind Busfahrer, die ausschließlich für die Beförderung von Schülern zuständig sind und während der Ferien nicht gebraucht werden. Ihr Arbeitsvertrag könnte schon von vorne herein auf zehn Monate begrenzt sein. Bei wiederholten Befristungen von Arbeitsverträgen von Jahr zu Jahr entsteht damit jedoch für Saison-Mitarbeiter unter Umständen ein Anspruch auf Wiedereinstellung.

Aus der Berliner Zeitung vom 24.02.2007

Von: Ulf Weigelt