08.09.07 | Arbeitsvertrag

Der Vertrag bestimmt die Länge der Arbeitszeit


Die Wochenstundenzahl darf aber gesetzliche Regelungen nicht überschreiten

Die Zeit, die Deutsche am Arbeitsplatz verbringen, nimmt erstmals seit dem Jahr 2000 wieder zu. Forderten die Gewerkschaften noch vor Kurzem eine weitere Verkürzung der regelmäßigen Wochenarbeitszeit, mit dem Ziel einer flächendeckenden 35-Stunden-Woche wie in Frankreich, lag die tarifliche Wochenarbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten 2006 tatsächlich bei 38,28 Stunden. Die Teilzeitbeschäftigten arbeiteten durchschnittlich 14,29 Stunden pro Woche - Tendenz steigend. 

Auf dem Rückmarsch dagegen sind die Krankenstände. Die Arbeitgeberseite fasst Mut und fordert weitere Arbeitszeitverlängerungen. Überstundenkonten füllen sich weiter. Doch wer bestimmt eigentlich die Dauer der Arbeitszeit, was darf der Chef verlangen? In welchem zeitlichen Umfang der Arbeitnehmer die Arbeitsleistung zu erbringen hat, bestimmt in erster Linie der Arbeitsvertrag. Die Arbeitsvertragsparteien können darin zum Beispiel frei entscheiden, ob sie ein Vollzeitarbeitsverhältnis oder ein Teilzeitarbeitsverhältnis begründen. Der Arbeitsvertrag steht jedoch immer unter dem Vorbehalt einschränkender gesetzlicher oder tariflicher Regelungen. Bei der Festlegung von Arbeitszeitregeln sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer dazu auch an die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes gebunden. Die Dauer der Arbeitszeit darf die gesetzliche Höchstarbeitszeit jedoch auf keinen Fall überschreiten. Sie wird üblicherweise als Wochenarbeitszeit vereinbart. 

Auch die betriebsübliche Arbeitszeit kann zu den Arbeitsbedingungen gehören, die eigentlich jeder Arbeitgeber schriftlich festhalten muss. Spätestens einen Monat nach dem vereinbarten Beginn des Arbeitsverhältnisses soll er per sogenanntem Nachweisgesetz die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich niederschreiben. 

Die Höchstarbeitszeit an Werktagen beträgt jeweils acht Stunden. Werktage sind alle Tage von Montag bis einschließlich Sonnabend. Somit ergibt sich eine gesetzliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche oder 2 304 Stunden pro Jahr. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Arbeitgeber die Arbeitszeit unter Ausnutzung eines Ausgleichszeitraums zeitweilig auf bis zu 60 Stunden pro Woche erhöhen. Das Arbeitszeitgesetz enthält für bestimmte Tätigkeiten und Personengruppen viele Ausnahmen von der regelmäßigen Höchstarbeitszeit, so zum Beispiel für Schwangere oder Jugendliche.

Abweichungen möglich

In manchem Arbeitsvertrag ist die Arbeitszeit jedoch nicht exakt definiert. Liegen auch keine konkreten betrieblichen oder tariflichen Regelungen vor, gilt die übliche Arbeitszeit im Betrieb oder in der Betriebsabteilung als Grundlage. Betriebsüblich per Definition ist "die regelmäßige betriebliche Arbeitszeit". Die Betriebsüblichkeit muss natürlich nicht für alle Arbeitnehmer des Betriebs einheitlich sein. Vielmehr beschreibt sie diese für bestimmte Arbeitsplätze und Arbeitnehmergruppen. So gibt es für Teilzeitbeschäftigte eine andere betriebsübliche Arbeitszeit als für Vollzeitbeschäftigte.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung vom 08.09.2007

Von: Ulf Weigelt