18.10.08 | Krankheit

Ärztliche Bescheinigung schnell abgeben


Der Chef muss den Grund für die Arbeitsunfähigkeit nicht erfahren

Der Herbst ist Hochsaison für viele Erkältungskrankheiten. Schnupfen, Halsweh und Fieber lassen die Krankenstände in Unternehmen steigen. Auch für krankheitsbedingte Auszeiten gelten arbeitsrechtliche Regeln, vor allem für Anzeige- und Nachweispflichten. Die erste Grundregel lautet: rechtzeitige Information des Arbeitgebers. Der erkrankte Mitarbeiter muss dem Chef die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unmittelbar und unverzüglich mitteilen, und zwar ohne schuldhaftes Zögern". Arbeitsgerichte betrachten dabei bereits den ersten Tag der Arbeitsverhinderung als relevant, und zwar während der üblichen Betriebsstunden. Die Information kann per Mail, Fax, telefonisch oder durch eine SMS erfolgen. Der Erkrankte kann sich zur Vermittlung auch anderer Personen bedienen. 

Immer wieder erweisen sich Arbeitgeber bei Krankheiten als sehr neugierig. Misstrauische Vorgesetzte rufen ihre Mitarbeiter sogar an und wundern sich, wenn sie den Betroffenen nicht zu Hause erreichen. Doch nicht jede Krankheit berechtigt zu diesem Misstrauen. Ist keine Bettruhe verordnet, darf der Erkrankte das Haus verlassen. Ein Einkauf im Supermarkt oder der Spaziergang im Park sind erlaubt. Kneipenbesuche dagegen sind nicht ratsam und stärken das Misstrauen. Auch interessieren sich neugierige Arbeitgeber für die Erkrankung selbst. Jedoch ist diese Neugierde unberechtigt. Der Arbeitnehmer muss die Ursache der Erkrankung nicht mitteilen, lediglich deren voraussichtliche Dauer. Dabei reicht seine individuelle Einschätzung aus. 

Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage, fordert das Gesetz spätestens am vierten Tag eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer. Maßgeblich ist, wann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Chef eingeht. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vertraglich anderes vereinbaren, sogar die Vorlage einer Bescheinigung schon am ersten Krankheitstag. Ein Blick in den Arbeitsvertrag ist im Zweifel unbedingt erforderlich, denn ein Verstoß kann mit einer Abmahnung enden. Betriebsräte haben ein Mitbestimmungsrecht bei den Fristen. 

Hat der Arbeitgeber berechtigte Zweifel an der Erkrankung, kann er die zuständige Krankenkasse informieren und eine Untersuchung oder Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung - MDK - verlangen. Die Krankenkassen sind verpflichtet, eine gutachterliche Stellungnahme einzuholen. Der Arbeitgeber erhält ebenso wie der betroffene Arbeitnehmer das Ergebnis. Fällt das Gutachten für den Beschäftigten ungünstig aus, kann er dem Befund widersprechen. Voraussichtlich wird der Arbeitgeber in diesem Fall die Lohnfortzahlung aber einstellen. Der Arbeitnehmer wäre unter diesen Umständen gezwungen, seine Zahlung einzuklagen. Die Arbeitsgerichte lassen in solchen Fällen oft nochmals Obergutachten erstellen. 

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung vom 18.10.2008

Von: Ulf Weigelt