07.02.15 | Bewerbung

Lügen erlaubt beim Vorstellungsgespräch


Im harten Auswahlwettbewerb um gute Jobs entscheiden oft Details über den Erfolg. Im Vorstellungsgespräch müssen sich deshalb Bewerber oft unbequemen, zum Teil auch unzulässigen Fragen stellen. Wie können sie damit umgehen, ohne ihre Chance zu verspielen?

An sich schützt das Allgemeine Persönlichkeitsrecht vor allzu neugierigen Fragen des potentiellen Arbeitgebers. Fragen, die mit der Tätigkeit überhaupt nichts zu tun haben, sind von vornherein tabu. Der Arbeitgeber darf nur solche Fragen stellen, an deren Beantwortung für ihn ein berechtigtes, billigenswertes und schutzwürdiges Interesse besteht. Sie müssen in einem erkennbaren Zusammenhang mit der Beschäftigung stehen. Damit scheiden etliche Themen vor allem aus dem Privatleben aus. Schulden, Familienplanung oder Schwangerschaft, Gesundheitszustand, sexuelle Orientierung sind tabu. Auch Vorstrafen, Religionszugehörigkeit oder Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder Partei gehören nicht als Themen ins Bewerbungsgespräch. Erfragen Arbeitgeber diese Themen trotzdem, können Bewerber keine oder wahrheitswidrige Auskünfte geben. Der Arbeitgeber kann später einen auf Basis wahrheitswidriger Antworten zu derlei Fragen zustande gekommenen Arbeitsvertrag nicht wegen arglistiger Täuschung anfechten und zu Fall bringen. Jedoch lohnt sich das genaue Aufpassen, denn bei falschen Antworten zu zulässigen Fragen kann eine Lüge sehr wohl den Job kosten! In bestimmten Fällen jedoch schützt das Allgemeine Persönlichkeitsrecht nicht vor diesen Fragen. Liegt ein berechtigtes Interesse des Arbeitgebers vor, können indiskrete Fragen aus der Privatsphäre sehr wohl berechtigt und deshalb korrekt zu beantworten sein. So kann der Gesundheitszustand über die Einsatzfähigkeit des Arbeitnehmers am vorgesehenen Arbeitsplatz entscheiden - beispielsweise bei schwerer körperlicher Arbeit oder zum Beispiel im direkten Kontakt mit Lebensmitteln. Auch bei Heil- und Pflegeberufen dürften gesundheitliche Fragen konkreter und korrekt zu beantworten sein.

Selbst die Partei- Gewerkschafts- und Religionszugehörigkeit kann eine Rolle spielen, wenn es sich um eine Stelle in einem sogenannten Tendenzbetrieb handelt. Diese bezeichnen Positionen in Parteien, Gewerkschaften und Kirchen, aber auch manchen politisch engagierten Verlagen. Auch hier müssen Bewerber wahrheitsgemäß antworten.

Generell ist es Sache des potentiellen Arbeitgebers, die für aus seiner Sicht maßgeblichen Umstände zu erfragen. Eine aktive Offenbarungspflicht des Bewerbers ohne konkrete Frage gibt es nur in seltenen Ausnahmefällen, so bei Bewerbern für Vertrauensstellungen, wenn sie zum Beispiel Vorstrafen wegen Diebstahls oder Veruntreuung haben. Auch muss ein Außendienstmitarbeiter mit voraussichtlicher Reisetätigkeit per Firmenwagen ein bestehendes Fahrverbot oder einen Führerscheinentzug von sich aus preisgeben. Lügen hilft hier nicht.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung

Von: Ulf Weigelt