27.08.13 | Kündigung

Gefeuert, weil er nur eine Niere hat


Über zwei Jahre arbeitete Olaf W. (44) aus Ahrensfelde für die Firma auf Baustellen in ganz Berlin. „Gerne und viel“, sagt der Techniker. „Mit Kollegen und Vorgesetzten lief alles prima.“ Doch dann aus heiterem Himmel die Kündigung. Der zweifache Vater ist geschockt: „Ich musste sofort mein Büro räumen.“ Jetzt sitzt er zu Hause herum. Weil er den Arbeitgeber „arglistig getäuscht“ haben soll.

In der Kündigung heißt es, er habe bei Abschluss des Arbeitsverhältnisses zu seinen „gesundheitlichen Verhältnissen unwahre Angaben“ gemacht. „Uns wurde bekannt, dass Ihnen eine Niere fehlt. Diese gesundheitliche Beeinträchtigung ist geeignet, Ihre Arbeitsleistung zu beeinträchtigen.“ Doch das stimme nicht, sagt Olaf W. Im Mai bestätigte der Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnische Dienst der Berufsgenossenschaft Bau: „Keine gesundheitlichen Bedenken“.

Olaf W.: „Mir geht es sehr gut, trotzdem ich mit nur einer Niere lebe.“ Die andere wurde entfernt, weil sie von Kindheit an verkümmert war. Deshalb ist er 40 Prozent schwerbeschädigt.

Bei der Einstellung erwähnte er die Behinderung nicht. Zu Recht, so Heike Schwarz-Weineck vom Büro des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung: „Dies ist nur zwingend, wenn er aufgrund seiner Behinderung seine Tätigkeit nicht ausführen kann.“ Sie ist entsetzt: „Ein hochskandalöser Fall! Das ist ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.“ Der Arbeitgeber von Olaf W. aber bleibt hart: „Nach Rechtsprechung der Arbeitsgerichte müssen Fragen nach dem Gesundheitszustand dann wahrheitsgemäß beantwortet werden, wenn der Gesundheitszustand geeignet ist, die Arbeitsleistung des konkreten Arbeitsverhältnisses zu beeinträchtigen, was hier der Fall ist.“

Doch Ulf Weigelt, Fachanwalt für Arbeitsrecht, ist sich sicher: „Der Mann hat sehr gute Chancen, recht zu bekommen.“ Olaf W. will jetzt klagen.

Veröffentlicht am 27.08.2013 im Berliner Kurier

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Von: Susanne Dübber