21.07.01 | Krankheit

Der Arbeitgeber ist zur Hilfe verpflichtet


Wie sich Beschäftigte gegen Mobbing wehren können

Das Wort "Mobbing" ist ein neuer Begriff für ein altes Problem. Seit einigen Jahren versuchen Arbeitsrechtler verstärkt, es in den Griff zu bekommen. Das Bundesarbeitsgericht hat inzwischen sogar eine Definition für "Mobbing" gefunden: Es sei das "systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte".

Mobbing hat viele Facetten: Abwertende Äßerungen und abschätzige Behandlung, Nichtbeachten, Nachahmen und Nachäffen von Verhaltensweisen, aggressive und abwertende Äßerungen, die Vergabe sinnloser Arbeitsaufträge, überzogene und kleinliche Bewertung der Arbeitsergebnisse bis zu offenen Anfeindungen, Schikanen, Beleidigungen und Psychoterror. Häufig steckt dahinter das Ziel, den Betroffenen mürbe zu machen, damit er von sich aus seinen Job aufgibt. Die Folgen des Mobbings sind für den Betroffenen enorm. Sie reichen von gesundheitlichen Schäden bis zum Selbstmord.

Betriebsrat kann helfen

Geht das Mobbing vom Arbeitgeber aus, so verstößt er damit gegen die Fürsorgepflicht. Betroffene haben also das Recht, sich direkt beim Arbeitgeber zu beschweren und Abhilfe zu verlangen. Wo vorhanden, kann auch der Betriebs- oder Personalrat um Mithilfe und Beistand angerufen werden.

Allerdings werden Beschwerden gegen den Chef kaum helfen, wenn er selbst mobbt. Dann bleibt nur die Möglichkeit, zu klagen. Dies muss der Arbeitnehmer jedoch sorgfältig abwägen. In der Praxis ist es schwer, mit ausschließlich rechtlichen Mitteln gegenüber Mobbing-Strategien vorzugehen. Auch Schadensersatzansprüche sind schwierig, denn der Betroffene muss einen Schaden zunächst beziffern. Weiterhin könnte der Betroffene bei schwer wiegenden Vertragsverstößen des Arbeitgebers seine Leistung verweigern. Im Klartext: Er könnte seine Tätigkeit bei Fortbestand des Arbeitsverhältnisses mit Lohnfortzahlungspflicht des Chefs unterbrechen.

Leider geht das Mobbing oft von den Kollegen selbst aus. Auch hier müssen sich Betriebsrat und Arbeitgeber vor den Arbeitnehmer stellen. Insbesondere der Arbeitgeber hat dabei ausreichende Möglichkeiten, da er gegen die Mobber mit Schritten wie Abmahnung, Versetzung bis zu einer Kündigung vorgehen kann. Schließlich verstoßen Mobber gegen ihre arbeitsvertraglichen Pflichten wie Treue und Rücksichtnahme.

Ob der Mobber nun Chef oder Kollege ist - in jedem Falle bleibt dem Betroffenen die Möglichkeit, auf eigene Faust Schritte gegen den Mobber zu unternehmen. Er kann Strafanzeige wegen Beleidigung, übler Nachrede oder Verleumdung erstatten. Außerdem kann er den Mobber auf dem Wege der Privatklage auf den Widerruf ehrverletzender Erklärungen oder unwahrer Tatsachenbehauptungen, aber auch auf Schmerzensgeld wegen Gesundheitsschädigung verklagen.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 21.07.2001.

Von: Ulf Weigelt