21.04.01 | Arbeitsvertrag

Überstunden vom Chef quittieren lassen


Was Beschäftigte bei Mehrarbeit beachten sollten

Viele Beschäftigte arbeiten länger als im Arbeitsvertrag vereinbart, doch fühlen sich viele auch unsicher bei der Frage, wann sie Überstunden leisten müssen, welche Ansprüche daraus erwachsen und wie sich diese gegenüber dem Chef durchsetzen lassen.

Überstunden kommen dann zu Stande, wenn die festgelegte regelmäßige Arbeitszeit überschritten wird. Der Umfang der zu leistenden Überstunden ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag, der Betriebsvereinbarung oder dem Tarifvertrag. Sofern diese nicht vorhanden sind, bildet die gesetzliche Arbeitszeit die Grenze. Diese beträgt derzeit werktäglich 10 Stunden. Oftmals wird in Arbeitsverträgen vereinbart, dass mit dem Gehalt sämtliche Überstunden abgegolten sind. Diese freie Übereinkunft ist möglich.

Doch wann müssen Arbeitnehmer Überstunden leisten? Meistens handelt es sich um so genannte betriebsnotwendige Überstunden - der Arbeitsanfall ist so groß, dass er anders nicht zu schaffen ist. In außergewöhnlichen Fällen kann der Chef Überstunden aber auch anordnen. Folgt der Arbeitnehmer der Anordnung nicht, drohen Abmahnung oder sogar die Kündigung.

Ansprüche verjähren

Generell werden Überstunden entweder vergütet oder durch Freizeit abgegolten. Welche Option gilt, entscheidet wieder der Arbeitsvertrag, die Betriebsvereinbarung oder der Tarifvertrag. Für den Fall der Vergütung wird jede geleistete Überstunde zunächst so bewertet, als sei sie eine einfache Arbeitsstunde. Zuschläge muss der Arbeitgeber nur dann zahlen, sofern sie betriebs- und branchenüblich sind. In der Regel wird ein Zuschlag von 25 Prozent an Arbeitstagen gezahlt und an Sonn- und Feiertagen von 50 Prozent. Entsprechendes gilt auch für den Freizeitausgleich.

Über ihre Überstunden sollten Arbeitnehmer genau Buch führen. Denn kommt es darüber zu einem Streit mit dem Chef, sind sie in der Beweispflicht. Sie müssen dann genau darlegen und im Streitfall auch vor Gericht beweisen können, dass sie Überstunden geleistet haben. Sie müssen dabei auflisten, an welchen Tagen und zu welchen Tageszeiten sie länger gearbeitet haben. Oft ist das schwierig, vor allem für lange verstrichene Zeiträume. Wichtig: Überstundenansprüche verjähren nach zwei Jahren.

Doch Arbeitnehmer sollten Überstunden nicht nur ständig auflisten, sondern dies auch regelmäßig vom Arbeitgeber bestätigen lassen. Damit lässt sich Streit darüber vermeiden, ob dieser die Überstunden überhaupt wollte. Juristisch anerkannt ist eine Anordnung bereits dann, wenn der Chef etwa eine Arbeit zuweist, die nur durch Überschreitung der regelmäßigen Arbeitszeit geleistet werden kann und nach seinen Worten sofort oder bald zu erledigen ist. Das gleiche gilt, wenn der Chef von den Überstunden Kenntnis hat und sie zulässt. Aber auch dies muss man beweisen können.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 21.04.2001.

Von: Ulf Weigelt