15.12.01 | Bewerbung

Treffen mit dem nächsten Arbeitgeber


Reisekosten für persönliche Vorstellung trägt die Firma

Immer mehr Deutsche sind bereit, für einen Arbeitsplatz ihren Wohnort zu wechseln. Doch vor dem Umzug steht das Einstellungsgespräch am neuen Arbeitsplatz, der mitunter mehrere hundert Kilometer entfernt sein kann. Was viele nicht wissen: Zumindest finanziell ist das Gespräch in der Regel keine Hürde für den potenziellen Arbeitnehmer. Immer dann, wenn der Arbeitgeber den Bewerber zum Vorstellungsgespräch einlädt, muss er auch die Vorstellungskosten tragen.

Denn die Einladung begründet einen Vertrag, mit der Pflicht des Arbeitgebers Reisekosten zu zahlen. Die Verpflichtung ist absolut unabhängig davon, ob am Ende ein Arbeitsverhältnis zu Stande kommt.

Ist der Bewerber arbeitslos, übernimmt das Arbeitsamt unter bestimmten Voraussetzungen den Ersatz der Vorstellungskosten ganz oder zum Teil. Es empfiehlt sich jedoch, vor Antritt der Reise diese Frage abzuklären.

Manchmal lädt nicht der potenzielle Arbeitgeber zum Bewerbungsgespräch direkt ein, sondern ein Personal- oder Unternehmensberater. Auch hier besteht ein Erstattungsanspruch. Lediglich wenn sich der Bewerber unaufgefordert vorstellt, entfällt der Erstattungsanspruch. Ebenso ist dieser ausgeschlossen, wenn der Arbeitgeber den Ersatz der Vorstellungskosten ausdrücklich vorab ausschließt. Dies ist jedoch selten der Fall.

Maßvoll fordern ist klüger

Auch wenn Vorstellungskosten an sich erstattet werden, besteht jedoch die Frage nach der maximalen Erstattungshöhe. Für den Bewerber bedeutet das unter Umständen eine schwere Gewissensfrage: Darf er übernachten? Darf er fliegen oder muss er die Bahn nehmen? Maßstab hierfür ist nach der Rechtsprechung, welche Aufwendungen ein vernünftiger Mensch für erforderlich halten durfte. Danach sind die Kosten für Fahrt, Übernachtung und Verpflegung - im Regelfall auf Vorlage der Originalbelege - erstattungsfähig. Fahrtkosten sind unproblematisch, soweit die Kosten für die Benutzung des eigenen Pkw, der Bahn oder anderer öffentlicher Verkehrsmittel ansteht. Flugkosten werden in der Regel nur bei vorheriger Zusage übernommen.

Liegt das Vorstellungsgespräch zeitlich so, dass die Anreise am Vortag erfolgen muss, so trägt der Arbeitgeber auch die Übernachtungskosten. Bei der Wahl der Zimmerkategorie sollen die Kosten zu der ausgeschrieben Stelle jedoch in einem angemessenen Verhältnis stehen. Maßvolles Verhalten in diesen Fragen verbessert mit Sicherheit die Chancen auf den gewünschten Job, denn welcher Arbeitgeber stellt schon gerne Verschwender ein?

Wichtig: Alle Ansprüche verjähren innerhalb von zwei Jahren.Generell ist für Bewerbungsgespräche außerhalb des Wohnortes eine Vorab-Übereinkunft über die Kostenerstattung mit dem potenziellen Arbeitgeber immer ratsam. Dies beugt Streitigkeiten vor und kommt auch gut an.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 15.12.2001.

Von: Ulf Weigelt