16.02.02 | Teilzeit

Auszeit wird immer häufiger akzeptiert


Arbeitnehmer müssen Einzelheiten verhandeln

Sie fühlen sich ausgebrannt? Vielleicht hilft Ihnen eine Auszeit weiter. Sie glauben, das geht nicht? - Vielleicht doch, mit einem so genannten Sabbatical. Seit einiger Zeit bieten in zunehmendem Maße Unternehmen diese Form der begrenzten beruflichen Auszeit an, darunter große Firmen wie die Unternehmensberatung Mc Kinsey, der Computerhersteller Hewlett-Packard, BMW oder Siemens.

Das Sabbatical bedeutet eine vom Unternehmen gebilligte, zeitlich begrenzte Freistellung vom Job mit einer Weiterbeschäftigungsgarantie. Der Freistellungszeitraum reicht bis zu einem Jahr. Unternehmen gewähren oft besonders hochgradig arbeitszeitbelasteten Mitarbeitern ein Sabbatical. Sie wollen damit Mitarbeiter längerfristig binden. Außerdem geben sie diesen die Chance, sich über einen längeren Zeitraum vom Arbeitsalltag zu erholen und weiterzubilden. Erfahrungen zeigen, dass kaum Integrationsprobleme beim Wiedereinstieg auftreten. Im Gegenteil: Mitarbeiter kommen hoch motiviert und mit doppeltem Eifer zurück.

Arbeitsvertrag bleibt bestehen

Für Arbeitnehmer liegen die Vorteile auf der Hand: Ohne Angst um den Arbeitsplatz und bei einer gewissen finanziellen Grundabsicherung können sie sich Wünsche erfüllen, die oft an mangelnder Freizeit scheitern: Zeit mit der Familie, weite Reisen oder eine längere Fortbildung.

Rechtlich gesehen handelt es sich bei einem Sabbatical um eine einvernehmliche vertragliche Arbeitsbefreiung im Rahmen der allgemeinen Vertragsfreiheit. Auch Kollektivverträge - Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen - können die Möglichkeit der Befreiung von der Arbeitspflicht vorsehen. Die Rechtsfolge ist, dass der Arbeitsvertrag unverändert bestehen bleibt und nur der Arbeitnehmer von der Hauptpflicht (namentlich der Arbeitsleistung) befreit wird.

Konsequenz: Die Hauptpflicht des Arbeitgebers wiederum, nämlich die Vergütung zahlen zu müssen, richtet sich nach den getroffenen Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer - zunächst hat der Arbeitnehmer mangels Arbeitsleistung jedoch auch keinen Anspruch auf Gehaltszahlungen.

Alle Abweichungen hiervon sind aber Verhandlungssache. Auch die Dauer der Befreiung richtet sich nach der konkreten getroffenen Vereinbarung. Im Normalfall wird die Dauer auf einen bestimmten Zeitpunkt befristet.

Die vertraglichen Nebenpflichten gelten aber für beide Parteien weiterhin. Entsprechend gilt die allgemeine Fürsorgepflicht auf Seiten des Arbeitgebers weiter, wie zum Beispiel der daraus abgeleitete Arbeitnehmer-Datenschutz einschließlich des vertraulichen Umgangs mit der Personalakte. Auch das Wettbewerbsverbot, die Abwerbung von Arbeitskollegen sowie die Verschwiegenheitspflicht auf Seiten des Arbeitnehmers bleiben in Kraft.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 16.02.2002.

Von: Ulf Weigelt