14.12.02 | Arbeitsvertrag

Qualität der Arbeit darf variieren


Unterschiedliches Leistungsvermögen

Arbeitnehmer erhalten ihr Geld als Lohn für die geleistete Arbeit. Ist diese aus Sicht des Arbeitgebers nicht zufrieden stellend, so wird er beim Arbeitnehmer auf Veränderungen dringen oder sogar verhaltens- bzw. personenbedingt kündigen. Doch wie objektiv lässt sich die Qualität der Arbeitsleistung von Arbeitnehmer zu Arbeitnehmer vergleichen? Welche Arbeitsleistung darf der Arbeitgeber überhaupt verlangen?

Unter Qualität der Arbeitsleistung versteht das Arbeitsrecht das "Wie" der Arbeitsleistung. Dazu zählen Umfang, Geschwindigkeit und Qualität der Arbeit eines Arbeitnehmers. So versteht das Arbeitsrecht unter Arbeitsumfang die Pflicht des Arbeitnehmers, während der vereinbarten Arbeitszeit ständig zu arbeiten. Er darf diese also nicht zu Gunsten privater Zwecke unterbrechen. Das Arbeitstempo muss "zügig" sein, es muss aber das individuelle Leistungspotenzial des Arbeitnehmers berücksichtigen. Bei Teamarbeit zum Beispiel muss sich das Arbeitstempo der Gruppe am langsamsten Arbeitnehmer orientieren.

Sorgfältiges Arbeiten

Eine angemessene Arbeitsqualität erreicht der Arbeitnehmer schließlich dann, wenn er die übertragene Arbeit konzentriert und sorgfältig bearbeitet. Das Arbeitsrecht anerkennt also, dass sich die Qualität der Arbeit nicht objektiv bestimmen lässt, sondern sich am Leistungsvermögen des einzelnen Mitarbeiters orientiert. Der Arbeitnehmer schuldet dem Arbeitgeber keine bestimmten Arbeitserfolge oder gar Dauer-Spitzenleistungen und soll auch nicht seine Gesundheit aufs Spiel setzen. Er ist lediglich verpflichtet, seine Arbeitskraft während der vereinbarten Arbeitszeit seinen Fähigkeiten entsprechend bei angemessener Anspannung seiner individuellen Kräfte und Fertigkeiten zur Verfügung zu stellen.

Zeigt sich der Arbeitgeber mit der Arbeitsqualität eines Arbeitnehmers unzufrieden, so hilft es unter Umständen, wenn beide konkrete Erfolge, Mengen oder Qualitäten der Arbeit vereinbaren. Diese müssen für den Arbeitnehmer als Ziel erreichbar sein. Verlangt der Arbeitgeber zu viel oder schafft der Arbeitnehmer die vereinbarten Ziele nicht, sollte er erneut das Gespräch suchen um eine Korrektur herbeizuführen.

Will der Arbeitgeber bei Nichterreichen der geforderten Arbeitsqualität personenbedingt kündigen, so steht er gegenüber dem Arbeitsgericht in der Nachweispflicht. Es reicht dabei nicht aus, dass er die Arbeitsergebnisse des Arbeitnehmers beanstandet, insbesondere wenn dieser einer erheblichen Arbeitsbelastung unterliegt. Eine personenbedingte Kündigung verlangt den Nachweis, "dass eine erhebliche Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen" vorliegt. Die Rechtsprechung fordert dabei eine nachweisbare 30%ige Leistungsminderung gegenüber dem Durchschnitt der ähnlich im Unternehmen Beschäftigten.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 14.12.2002.

Von: Ulf Weigelt