25.01.03 | Zeugnis

Arbeitnehmer haben Anspruch auf ein Zeugnis


Wer den Job wechselt, sollte seine Unterlagen einfordern

Endet ein Arbeitsverhältnis, bekommt der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber "seine Papiere". Doch auf welche Arbeitspapiere hat er genau Anspruch? In welchen Fristen sind sie fällig? Darf der Arbeitgeber die Arbeitspapiere zurückbehalten?

Arbeitspapiere sind zum einen bestimmte zum Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses beim Arbeitgeber über den Arbeitnehmer vorhandene Papiere. Dazu kommen solche, die extra bei der Beendigung entstehen wie beispielsweise das Arbeitsendzeugnis. Bekannt sind Arbeits- und Urlaubsbescheinigung.

Daneben zählen zu den Arbeitspapieren Arbeitserlaubnis, Krankenkassen- und Lohnsteuerbescheinigung, Lohnsteuerkarte, Sozialversicherungsausweis sowie unter Umständen eine Vorausbescheinigung über das Arbeitsentgelt. Für Minderjährige kommt eine Gesundheitsbescheinigung hinzu. Keinen Anspruch haben Arbeitnehmer auf Bewerbungsunterlagen und Lebensläufe. Diese bleiben im Eigentum des Ex-Arbeitgebers.

Chancen auf dem Arbeitsmarkt Vom Arbeitszeugnis hängen die weiteren Erfolgschancen auf dem Arbeitsmarkt ab. Deshalb sorgen viele rechtliche Regeln für die Einhaltung bestimmter Formen (wie maschinenschriftliche Erfassung, üblicherweise auf Geschäftspapier), Fristen (Zeitnähe zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses) und Bewertungsmaßstäbe (so muss das Zeugnis "wohlwollend" sein). Die Arbeitsbescheinigung enthält alle Informationen, die für das Arbeitsamt in Sachen Arbeitslosengeld oder -hilfe und sonstige Leistungen wichtig sind. Die Urlaubsbescheinigung vermeidet Doppelansprüche auf Urlaub bei einem Arbeitsplatzwechsel.

Der Arbeitnehmer hat gegenüber seinem Arbeitgeber einen rechtlich verbrieften Anspruch auf Herausgabe seiner Arbeitspapiere, der aus der dem Arbeitsverhältnis nachwirkenden Fürsorgepflicht des Arbeitgebers besteht. Er verjährt in der Regel erst nach 30 Jahren. Ein Zurückbehaltungsrecht des Arbeitgebers zum Beispiel wegen noch ausstehender Leistungen gibt es nicht. Er darf auch keine Ausgleichsquittung oder Ähnliches als Gegenleistung zur Herausgabe der Arbeitspapiere verlangen.

Die Übergabe der Arbeitspapiere erfolgt zum Zeitpunkt der tatsächlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Einen Anspruch auf vorzeitige Herausgabe wie bei Urlaub oder Freistellungen hat der Arbeitnehmer nicht. Bei außerordentlichen Kündigungen oder Fällen, in denen der Beendigungszeitpunkt strittig ist, gilt der Zeitpunkt der Beendigung der Arbeitstätigkeit. Der Arbeitgeber erhält dabei allerdings eine angemessene Frist, in der er organisatorische Belange regeln kann.

Die Übergabe der Arbeitspapiere ist eine Holschuld des Arbeitnehmers. Werden die Papiere nicht ordnungsgemäß ausgefüllt oder nicht rechtzeitig herausgegeben, so hat der Arbeitnehmer unter Umständen Schadenersatzansprüche.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 25.01.2003.

Von: Ulf Weigelt