29.03.03 | Teilzeit

Tausche Lohn gegen mehr Freizeit


Teilzeit genießt alle Schutzvorschriften

Die Situation erscheint paradox: Trotz hoher Arbeitslosigkeit auf der einen Seite klagen viele Arbeitnehmer auf der anderen Seite über erdrückende Arbeitslasten. Manche nehmen mehr Freizeit durch Teilzeitarbeit. Die Bundesregierung fördert diesen Trend seit 2001 mit einem neuen Gesetz über die Teilzeit und befristete Arbeitsverträge - kurz Teilzeit- und Befristungsgesetz. Sie erhofft sich davon vor allem mehr Arbeitsplätze.

Teilzeit bedeutet die Reduzierung der Arbeitszeit bei anteiliger Reduzierung des Entgelts eines Arbeitnehmers gegenüber einem vergleichbaren vollbeschäftigten Arbeitnehmer im selben Betrieb. Wo dieser keine Vergleiche bietet, kann ein Tarifvertrag oder der jeweilige Wirtschaftszweig weiterhelfen. Teilzeit ist die Reduzierung der Arbeitszeit um tägliche Arbeitsstunden, aber auch um einen Wochentag oder sogar um ein vereinbartes Monats- oder gar Jahreskontingent.

Für ein Teilzeitarbeitsverhältnis gilt die Gleichbehandlungspflicht im Verhältnis zu Vollzeitbeschäftigten durch den Arbeitgeber. So gelten ohne Einschränkungen alle Schutzvorschriften des Arbeitsrechts wie Mutterschutz, Betriebszugehörigkeit, Entgeltfortzahlung oder Urlaub. Die Aufnahme oder der Wechsel eines Teilzeitzeitarbeitsverhältnisses darf nicht zu Benachteiligungen durch den Arbeitgeber zum Beispiel bei Weiterbildungen führen.

Wunsch rechtzeitig anmelden

Das Teilzeitgesetz verlangt vom Arbeitgeber, allen Arbeitnehmern, auch solchen in leitenden Funktionen, Teilzeitbeschäftigung zu ermöglichen. Voraussetzung: das Arbeitsverhältnis besteht seit sechs Monaten und der Arbeitgeber beschäftigt in der Regel mehr als fünfzehn fest angestellte Arbeitnehmer.

Der Arbeitnehmer muss seinen Reduzierungswunsch drei Monate vorab mündlich anmelden, eine Entscheidung muss spätestens einen Monat vor dem Termin erfolgen. Es dürfen keine betrieblichen Gründe entgegenstehen. Über die Schwere dieser Gründe macht das Gesetz keine Angaben. "Normale" typische Belastungen des Arbeitgebers durch reduzierte Arbeitszeiten reichen jedoch nicht.

Der Arbeitnehmer darf mehrere Teilzeitarbeitsverhältnisse nebeneinander oder in Kombination mit einem Vollzeitarbeitsverhältnis führen. Bei diesen Kombinationen dürfen jedoch durch die entstehenden Belastungen keine Arbeitnehmerschutzrechte leiden. Der Arbeitnehmer muss Teilzeitverhältnisse bei Jobantritt seinen Arbeitgebern auf Nachfrage angeben. Die Entscheidung zu einer Teilzeitstufe sollte wohl überlegt sein. Hat sich ein Arbeitgeber für Teilzeit entschieden, so kann er eine erneute Verringerung frühestens wieder nach zwei Jahren verlangen. Er soll bei der Besetzung von Vollzeitstellen später bei gleicher Eignung bevorzugt werden. Dem können jedoch "betriebliche Gründe" entgegenstehen. Seine Rechte beim Zurückwechseln sind also schwächer als zuvor. 

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 29.03.2003.

Von: Ulf Weigelt