11.06.11 | Krankheit

Wider den Mausarm und den Rückenschmerz


Ergonomisch ausgestattete Arbeitsplätze helfen Arbeitnehmern und Arbeitgebern - es gelten bindende Mindeststandards. 

Ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze, ausreichend beleuchtete Büroräume, flimmerfreie Computerbildschirme, viele Arbeitnehmer können davon nur träumen. Denn leider spart so mancher Arbeitgeber daran, zum gesundheitlichen Schaden seiner Beschäftigten, aber letztlich auch zu seinem eigenen finanziellen Nachteil. Einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation zufolge verzichten deutsche Unternehmen auf 36 Prozent der möglichen Arbeitsleistung an Büroarbeitsplätzen, nur weil Schreibtisch, Stuhl oder Bildschirm nicht ergonomisch ausgerichtet sind. 

Hier geht es um die menschlichen Bedürfnissen adäquate Gestaltung des Arbeitsraumes und die Verbesserung der Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine. Weil dieses Verhältnis oft nicht optimal ist, häufen sich Krankschreibungen wegen schmerzhafter Verspannungen und Rückenschmerzen. Denn das stundenlange Sitzen vor dem Computer in verkrampfter Haltung ist eine enorm große, einseitige Belastung für den Körper.

Die teilweise schlechte Ergonomie am Arbeitsplatz führt sogar zu neuartigen Krankheitsbildern wie dem Repetitive Strain Injury-Syndrom, dem so genannten Mausarm. Diese Erkrankung ist eindeutig dem Computerzeitalter geschuldet. Dabei weiß man schon lange, dass Ergonomie im Büro wichtig ist: Die Bemühungen um die Verbesserung von Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer starteten auf europäischer Ebene bereits 1952. 

Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ist in der heutigen EU ein umfassendes Regelwerk entstanden, das jeweils in nationales Recht umgesetzt wurde. Ein Meilenstein waren die Grundprinzipien zur Prävention und zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit von Arbeitnehmern aus dem Jahre 1989. Sie sind in der Rahmenrichtlinie 89/391/EWG festgelegt. Danach ist der Arbeitgeber verpflichtet, für Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer zu sorgen, auch am Schreibtisch. 

Deutschland setzte diese Richtlinie unter anderem im Arbeitsschutzgesetz oder in der Bildschirmarbeitsverordnung um. Danach müssen Firmen ihre Arbeitsplätze ergonomisch gestalten und ihren Mitarbeitern etwa rückenfreundliche Schreibtischstühle anbieten. Auch bei der Arbeit an Bildschirmgeräten sind bestimmte Mindeststandards bindend. So sind für den Sitzwinkel zum Computer bestimmte Parameter definiert. Die Bildschirme müssen zudem flimmerfrei und Tastaturen vom Computer getrennt sowie neigbar sein. Auf Wunsch muss der Arbeitgeber eine Fußstütze zur Verfügung stellen, wenn die ergonomisch günstige Arbeitshaltung ohne sie nicht erreicht werden kann. Lichtschutzvorrichtungen sollten das Tageslicht steuern und Reflexionen auf der Mattscheibe vermeiden. 

Die Praxis sieht oft anders aus. Dies ruft vor allem Betriebsräte auf den Plan, denn auf diesem Feld haben sie ein Mitspracherecht. Daneben haben auch Arbeitnehmer eigene Möglichkeiten, für ihre Bequemlichkeit im Büro zu sorgen. Zwar bleiben extravagante Wünsche wie Kniehocker oder Pendelstuhl rechtlich häufig ungehört. Jedoch können Mitarbeiter ihre Ausgaben für bestimmte ergonomisch sinnvolle Arbeitsgeräte, zum Beispiel Stühle, Tastaturen, Mäuse oder Grafik-Pads, unter bestimmten Bedingungen durch die Bundesversiche-rungsanstalt für Angestellte (BfA) fördern lassen oder sie zumindest steuerlich geltend machen, wie übrigens auch die Arbeitgeber selbst beim Finanzamt Investitionszulagen erreichen können. So profitieren beide Seiten von der bequemen Ausstattung des Arbeitsplatzes. 

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 11.06.2011

 

Von: Tobias Werner