04.10.03 | Arbeitsvertrag

Der Job neben dem Job


Nebentätigkeiten dürfen nicht den Hauptberuf behindern

Der Trend geht zum Zweitwagen" - so ein Werbespruch. Doch nicht nur dieser Trend, auch der zum Zweitjob hält an. Zwangsläufig, ist der gewünschte materielle Wohlstand doch immer öfter kaum aus einem Job heraus zu erhalten oder zu vergrößern.

Doch dabei gelten Regeln: Zweitjobs sind Nebentätigkeiten, die mit dem Erstarbeitgeber in vielen Fällen abzustimmen sind. Nebentätigkeiten liegen dann vor, wenn der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft außerhalb seines Hauptarbeitsverhältnisses anderweitig verwertet. So sind weitere Jobs bei demselben oder anderen Arbeitgebern genauso Nebentätigkeiten wie selbstständige Nebenjobs, Ehrenämter nicht betroffen.

Existiert keine Vereinbarung, steht dem Arbeitnehmer die Aufnahme von Nebentätigkeiten grundsätzlich zu. Er muss die Aufnahme der Tätigkeit aber trotzdem mitteilen, wenn sie Interessen des Arbeitgebers berühren könnten. Eine ehrenamtliche Tätigkeit am Wochenende fällt sicher nicht darunter - anders als an Wochentagen, wenn der Arbeitnehmer Schichtarbeiter ist und der Arbeitgeber durch die Nebentätigkeit mit verminderter Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers rechnen muss.

Keine Anzeigepflicht gilt für geringfügig Beschäftigte, die eine zweite geringfügige Beschäftigung antreten - selbst dann nicht, wenn sie dadurch die Geringfügigkeitsgrenze überschreiten. In manchen Arbeitsverträgen wie auch Tarifverträgen findet sich die generelle Verpflichtung des Arbeitnehmers zur Anzeige von Nebentätigkeiten.

Oft behält sich der Arbeitgeber auch das Recht vor, Nebentätigkeiten zu verweigern oder ganz zu verbieten. Das alleinige Kriterium dafür ist jedoch, ob sie der Arbeitspflicht zuwiderlaufen. Klare Fälle hierfür sind Nebentätigkeiten als ein selbstständiger Mitbewerber oder bei Konkurrenten oder während der eigentlichen Arbeitszeit.

Auch außerhalb der Arbeitszeit kann Nebentätigkeit die Arbeitspflicht verletzen. Dies gilt beispielsweise bei Auswirkungen auf die eigentliche Arbeit. Ein nebenbeschäftigter Postbote im Morgengrauen könnte später als Busfahrer wegen Übermüdung eine Gefahr darstellen.

Außerdem darf die Nebenbeschäftigung nicht zu einer Überschreitung der zulässigen Höchstarbeitszeiten führen. Ist der Arbeitnehmer krank geschrieben, darf er nur solche Nebentätigkeiten ausüben, die den Heilungsprozess nicht beeinflussen. Tätigkeiten am Computer sind also bei einem gebrochenen Knöchel in Ordnung - im Gegensatz zum Zeitungenaustragen.

Kein Arbeitsstress im Urlaub

Während des Erholungsurlaubs darf der Arbeitnehmer keine Nebentätigkeit ausüben, die dem Erholungszweck zuwiderläuft. Wünscht der Arbeitgeber bei Verstößen die Beendigung der Nebentätigkeit, so kann er eine Auslauffrist setzen. Er hat auch das Recht zur Abmahnung. Wirkt dies nicht, kann er ordentlich kündigen. Eine außerordentliche Kündigung droht bei Verstoß gegen ein genesungsförderndes Verhalten und das Wettbewerbsverbot. Bei letzterem drohen sogar Schadensersatzansprüche.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 04.10.2003.

Von: Ulf Weigelt