17.01.04 | Krankheit

Als arbeitsunfähig krankgeschrieben: Information des Arbeitgebers darf per E-Mail erfolgen


Information des Arbeitgebers darf per E-Mail erfolgen

In der kalten Jahreszeit häufen sich Krankheiten. Doch während viele Menschen früher mit einer Erkältung im Bett zu Hause blieben, quälen sie sich jetzt zur Arbeit. Viele Arbeitnehmer fürchten den Verlust des Arbeitsplatzes durch Arbeitsunfähigkeit mehr als mögliche Schäden für ihre Gesundheit.

Arbeitsunfähigkeit entsteht meistens durch Krankheit, selten durch andere Ursachen wie zum Beispiel eine Schönheits-OP. Doch nicht jede Krankheit führt automatisch zur Arbeitsunfähigkeit. Der Arbeitnehmer muss entweder außer Stande sein, seine Arbeit durchzuführen oder sie nur mit dem Risiko der Verschlechterung seines Zustandes verrichten können. Er ist dagegen arbeitsfähig, wenn er sich zum Beispiel zwar nicht selbst zur Arbeit bewegen kann, aber seine Leistung dennoch verrichten kann.

Neben der vollen Arbeitsunfähigkeit gibt es noch die Teilarbeitsunfähigkeit. Der Arbeitnehmer kann - allerdings eingeschränkt - arbeiten. Volle und teilweise Arbeitsunfähigkeit führen im Gegensatz zu den meisten ambulanten Behandlungen in der Regel zu Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Der Arbeitnehmer muss eine Arbeitsunfähigkeit und ihre voraussichtliche Dauer seinem Arbeitgeber anzeigen und ihm eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt vorlegen. Die Art der Erkrankung geht den Arbeitgeber nichts an. Ausnahme: sie ist von betrieblicher Bedeutung.

Die Information muss schnellstmöglich und unverzüglich am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit erfolgen, die Bescheinigung vom Arzt spätestens am vierten Werktag einer Arbeitsunfähigkeit vorliegen. Bei Folgebescheinigungen gilt dieselbe Frist. Entscheidend ist der Eingang der Information, nicht deren Absendung. Es gibt keine verlangte Form. Fax oder E-Mail sind also möglich. Ansprechpartner für die Information ist direkt der Arbeitgeber oder seine Personalabteilung.

Die Information eines Kollegen oder des Pförtners alleine reicht jedoch nicht, es sei denn sie ist unternehmensüblich. Der Arbeitsunfähige darf aber andere mit der Überbringung der Information beauftragen.

Vom Urlaub aus muss der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber nur dann über eine Arbeitsunfähigkeit informieren, wenn sie wahrscheinlich in die Nach-Urlaubszeit hinein reicht. Gleiches gilt für Teilzeitbeschäftigte, die an verschiedenen Wochentagen arbeiten sowie bei ruhenden Arbeitsverträgen wie etwa im Erziehungsurlaub.

Erfährt der Arbeitnehmer bei späteren Arztbesuchen Neues bezüglich Dauer und Maß der Arbeitsunfähigkeit, muss er seine Information an den Arbeitgeber erneuern.

Überprüfung möglich Zweifelt der Arbeitgeber an der Arbeitsunfähigkeit, kann er den medizinischen Dienst der Krankenkassen zur Überprüfung einschalten. Er kann auch eine frühzeitigere Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen. Stellt er einen Verstoß gegen die Anzeige- und Nachweispflicht durch den Arbeitnehmer fest, kann er ihn abmahnen und bei Wiederholungen auch kündigen. Außerdem kann er ihm die Entgeltfortzahlung verweigern. Dies gilt auch bei gesundheitsschädigendem Verhalten während der Krankheit.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 17.01.2004.

Von: Ulf Weigelt