04.09.04 | Kündigung

Arbeiten in der Beschäftigungsgesellschaft


Qualifizierungschancen um den Preis von Befristung und Lohneinbußen

Arbeitslosigkeit ist tückisch. Sind Menschen erst einmal ohne Arbeit, wird der Rückweg auf den Arbeitsmarkt oft schwer. Je länger sie arbeitslos sind, desto mehr schwinden ihre Chancen. Ein Ausweg sind Beschäftigungsgesellschaften. Ihr Ziel ist eine Alternative zu betriebsbedingten Massen-Entlassungen. Für eine bestimmten Zeit werden betroffene Arbeitnehmer beschäftigt und für eine neue Tätigkeit qualifiziert.

In vielen Fällen gründen Unternehmen im Krisenfall eigene Beschäftigungsgesellschaften. Daneben gibt es auch regionale oder überregionale staatliche Beschäftigungsgesellschaften, in die Unternehmen Arbeitnehmer entsenden können. Arbeitsverhältnisse zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in einer Beschäftigungsgesellschaft funktionieren ganz normal. Es gelten die klassischen Arbeitnehmerrechte- und pflichten. Sie werden in Arbeitsverträgen formuliert und regeln Arbeitszeiten, Gehalt, Urlaub oder Laufzeit.

Arbeitsverträge in Beschäftigungsgesellschaften weisen jedoch einige Besonderheiten auf. So beenden sie oft in einem Extra-Passus das vorherige Arbeitsverhältnis und begründen das neue Arbeitsverhältnis mit der Beschäftigungsgesellschaft.

In der Regel verändern sich Arbeitsinhalte und Arbeitsbedingungen. Schließlich steht die Qualifizierung stärker im Mittelpunkt. Das Gesetz verlangt von den Arbeitgebern sogar zwingend, nach spätestens sechs Monaten geförderter Beschäftigung in einer Beschäftigungsgesellschaft Maßnahmen der beruflichen Qualifizierung oder andere geeignete Eingliederungsmaßnahmen zu starten. Auch sind Arbeitnehmerüberlassungen zum Zweck der Erprobung durch potenzielle neue Arbeitgeber üblich. Schließlich können Arbeitsverhältnisse ruhen, falls Arbeitnehmer mit einem anderen Unternehmen ein befristetes Arbeitsverhältnis eingehen.

Das Gehalt während der Anstellung in einer Beschäftigungsgesellschaft kommt von der Bundesagentur für Arbeit sowie in Teilen von den Arbeitgebern. Der Konzeption von Beschäftigungsgesellschaften entspricht es, dass Mittel der Arbeitslosenversicherung zu ihrer Finanzierung beitragen. Der Arbeitgeber stockt meist das von der Bundesagentur gezahlte sogenannte strukturelle Kurzarbeitergeld auf. Es beträgt 60 Prozent des letzten Nettlohns, bei Arbeitnehmern mit Kindern sogar 67 Prozent. Da die Zahlung des Kurzarbeitergeldes meist auf maximal zwölf Monate beschränkt ist, enden Beschäftigungsverhältnisse in Beschäftigungsgesellschaften häufig auch nach diesem Zeitraum. Ausnahme: der Arbeitgeber will die entstehende Lohnlücke selbst schließen.

Verzicht oft Bedingung

Die Höhe der Aufstockung des Gehalts regeln die vorher vereinbarten Sozialpläne der Unternehmen. Oft müssen die betroffenen Arbeitnehmer dafür auf Ansprüche wie zum Beispiel die Einhaltung von längeren Kündungsfristen verzichten. Sie haben die Wahl zwischen Arbeitslosigkeit bei Wahrung ihrer Rechte aus dem alten Arbeitsvertrag oder Übernahme in die Beschäftigungsgesellschaft. Vorsicht ist dabei geboten: Bei selbst verschuldeter Arbeitslosigkeit droht zusätzlich eine Sperrfrist durch die Bundesagentur für Arbeit.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung vom 04.09.2004.

Von: Ulf Weigelt