14.08.04 | Arbeitsplatz

Kein Hitzefrei für Arbeitnehmer


Besondere Regelungen für Schwangere und werdende Mütter

Die heißen Sommertage sind des Urlaubers größte Freude. Pech allerdings für diejenigen, die am Arbeitsplatz ausharren müssen. Für sie kann die Arbeit jetzt schnell zur Qual ausarten. Hitzefrei können sie von ihrem Arbeitgeber allerdings kaum erwarten.

Das bürgerliche Gesetzbuch verpflichtet zwar Arbeitgeber, die Arbeitsräume so einzurichten, dass ihre Arbeitnehmer "gegen Gefahr für Leben und Gesundheit soweit geschützt sind, als es die Natur der Dienstleistung gestattet". Auch verlangt die so genannte Arbeitsstättenverordnung am Arbeitsplatz eine "gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur". Konkreten Angaben gibt es in den Gesetzen jedoch kaum.

Lediglich die ausführende Arbeitsstätten-Richtline nennt eine schwammige Obergrenze: "Die Lufttemperatur in Arbeitsräumen soll plus 26 Grad Celsius nicht überschreiten. Bei darüber liegender Außentemperatur darf in Ausnahmefällen die Lufttemperatur höher sein."

Arbeitsrechtlich können Arbeitnehmer diese Raumtemperatur also kaum durchsetzen. Sie ist ein Sollwert. Keinesfalls können sie daraus Rechte zur Verweigerung von Arbeitsleistungen ableiten, wie Selbstbeurlaubung.

Lediglich bestimmte Personengruppen wie Schwangere und stillende Mütter können in der Praxis auf strengere Regeln zurückgreifen. Voraussetzung: Sie weisen ein ärztliches Attest vor, das die Einhaltung bestimmter Raumtemperaturen fordert. Kann der Arbeitgeber das nicht ermöglichen, so haben Schwangere und stillende Mütter Anspruch auf Beschäftigung an einem anderen Ort oder sogar Freistellung. Der Arbeitgeber muss dann einen Mutterschutzlohn zahlen.

Neben den Regelungen zur Temperatur am Arbeitsplatz verlangt die Arbeitsstätten-Richtline wirksame Schutzvorkehrungen an Fenstern, Oberlichtern oder Glaswänden gegen direkte Sonneneinstrahlung. Insbesondere hier hat der Betriebsrat auch ein Mitbestimmungsrecht. Wirksame Schutzvorkehrungen gegen Hitze durch Sonneneinstrahlung kann der Arbeitgeber auch bei seinem Vermieter rechtlich einfordern. Schließlich fordert die Arbeitsstätten-Richtline die Vermeidung von Zugluft, sei es durch die Durchlüftung geöffneter Räume oder Klimaanlagen.

Freiwillige Maßnahmen

Ungeachtet aller rechtlichen Verpflichtungen treffen etliche Unternehmen natürlich Vorkehrungen und Sonderregelungen an heißen Tagen. Schließlich ist es im Interesse der Arbeitgeber, die Motivation und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu erhalten. Oft werden gemeinsam mit den Betriebsräten Lösungen gefunden. Neben der Verlagerung der Arbeitszeit in kühlere Stunden, zusätzlichen Pausen, einer vorübergehenden Verkürzung der Arbeitszeit durch zum Beispiel das Abbummeln von Überstunden oder gar Betriebsferien sind zusätzliche Pausen oder ein herunter reguliertes Arbeitstempo möglich.

Manche Unternehmen reagieren auf Hitze auch mit der Anpassung ihrer Bekleidungsvorschriften oder verteilen kostenlos Getränke. Auch die Verteilung von Lüftern oder Raumluftbefeuchtern kann die Hitze auf Arbeit lindern. Schließlich sitzen beim Thema Hitze auf Arbeit alle in einem Boot.

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung am 14.08.2004

Von: Ulf Weigelt